Frauen-Power beim modernen Chorgesang in Ruppertshofen
Sechs Ensembles des Chorverbandes Rems-Fils gestalteten im Jägersfeld ein „Festival der modernen Chöre“
Von Rainer Stütz
Ruppertshofen. Der Chorgesang ist nicht tot – er lebt munter weiter und erlebt mit Frauen-Power neue Höhenflüge. Sechs Ensembles des Chorverbandes Rems-Fils haben in Ruppertshofen ein beeindruckendes „Festival der modernen Chöre“ präsentiert. Von 155 Sängerinnen und Sängern sind 30 männlich, alle Chorleiterinnen weiblich. Diese Zahlen belegen die Frauen-Power im Chorgesang, der einst eine Männerdomäne war.
Beim „Festival der modernen Chöre“ präsentierten die Sängerinnen und Sänger ein Programm zwischen Pop, Ballade und mitreißenden Arrangements. Das Publikum erlebte einen Abend, der zeigte, wie lebendig und abwechslungsreich Chorgesang heute klingen kann.
Schon zu Beginn wurde deutlich, dass an diesem Abend moderne Chormusik im Mittelpunkt stehen würde. Martina Ordnung von der Eintracht Urbach 1925 führte mit Charme und Witz durch das Programm und stimmte das Publikum auf einen abwechslungsreichen Konzertabend ein.
Den Auftakt übernahmen die Gastgeberinnen von „SingMotion“ des Gesangvereins Ruppertshofen e.V. Der Frauenchor ist vor rund 20 Jahren aus einem Projekt hervorgegangen und zählt heute mit mehr als 20 Sängerinnen zu den drei tragenden Säulen des Vereins. Unter der Leitung von Dilan Özkaya, begleitet von Melis Ertürk am Klavier, eröffneten die Sängerinnen mit „Heaven Is a Place on Earth“ und setzten damit gleich einen schwungvollen Ton. Auch mit „Holding Out for a Hero“, „Rise“ und „Like a Prayer“ präsentierte sich der Chor stimmlich sicher und mit spürbarer Freude am Auftritt.
Der „Pop Up Frauenchor“ aus Schorndorf brachte anschließend eine ganz eigene Farbe in das Programm. Das Ensemble besteht derzeit aus 43 Sängerinnen im Alter von 20 bis 60 plus und hat sich in mehr als 25 Jahren konsequent weiterentwickelt. Unter der Leitung von Anna Luisa Kächele und mit Jörg Hofmann am Klavier reichte die Auswahl von der verspielten Leichtigkeit von „Lollipop“ bis zu nachdenklicheren Tönen in „A Million Dreams“ und „What About Us“. Spätestens bei „Let’s Get Loud“ sprang die Energie endgültig auf das Publikum über.
Für rhythmische Präzision sorgte „Sing a Song“ vom Liederkranz Oeffingen 1836 e.V. Seit über 20 Jahren ist der Chor ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Fellbach und zählt heute rund 50 Mitglieder. Unter der Leitung von Anita Sasse, die das Ensemble seit 25 Jahren prägt, und begleitet von Gregor Wohak am Klavier zeigte „Sing a Song“ mit Titeln wie „So soll es bleiben“, „L’amitié“ (ein Lied aus Frankreich bereicherte das Programm), „Give Me Some Rhythm“ und „The Rhythm of Life“, wie abwechslungsreich moderne Chorliteratur klingen kann. Der Auftritt verband musikalische Genauigkeit mit hörbarer Spielfreude.
Nach der Pause machte „Good Vibrations“ vom Gesangverein Eschach e.V. seinem Namen alle Ehre. Der 1997 gegründete junge Chor steht seit Jahren für moderne, rhythmusbetonte Chormusik mit Einflüssen aus Gospel, Soul, Musical und Pop. Unter der Leitung von Katrin Häcker, die zugleich am Klavier begleitete, setzte das Ensemble auf kraftvolle Titel wie „Power“, „Eye of the Tiger“ und „Dream On“. Mit „Wer hat an der Uhr gedreht“ gelang zudem ein augenzwinkernder Abschluss, der beim Publikum gut ankam.
Mit „Salto Vocale“ schickte der Liederkranz Eislingen 1859 e.V. ein Ensemble ins Rennen, das auf starke Kontraste setzte. Rund 40 Sängerinnen und Sänger engagieren sich dort inzwischen seit mehr als drei Jahrzehnten in einem Repertoire, das von Pop und Rock bis hin zu Jazz und gelegentlich auch klassischer Chormusik reicht. Chorleiterin Miriam Wagner und Pianist Simon Fröstl kombinierten mit „This Is Me“ aus „The Greatest Showman“ einen kraftvollen Auftakt mit ruhigeren, nachdenklichen Momenten in „Imagine“ und „Heal the World“. So entstand ein Auftritt, der musikalische Präsenz mit einer klaren Botschaft verband.
Den Schlusspunkt im Reigen der Einzelauftritte setzte „ChorArt zwanzigelf“ der Eintracht 1925 Urbach e.V. Der Chor besteht seit 2011, vereint rund 45 Sängerinnen und Sänger und ist mit seinem Repertoire aus Pop, Rock, Jazz, Musical und Gospel längst eine feste Größe im Vereinsleben der Urbacher Eintracht. Unter der Leitung von Timea Toth-Scharwächter begann der Auftritt mit „Jetzt ist Sommer“ beschwingt, während „Someone You Loved“ eine ruhigere Note einbrachte. Zum Finale mit „Chattanooga Choo Choo“ und „Somebody to Love“ zeigte das Ensemble noch einmal seine stilistische Bandbreite und sorgte für einen stimmungsvollen Ausklang.
Besonders eindrucksvoll wirkte das gemeinsame Finale: Zum Abschlusslied „Ein Kompliment“ der Sportfreunde Stiller kamen alle Chöre noch einmal auf der Bühne zusammen, angeleitet von Dilan Özkaya. Gerade dieser gemeinsame Auftritt machte den Charakter des Abends deutlich: Nicht Konkurrenz, sondern die Freude am gemeinsamen Singen stand im Mittelpunkt. Der Applaus des Publikums fiel entsprechend herzlich aus.
Am Ende blieb der Eindruck eines rundum gelungenen Konzertabends, der moderne Chormusik in vielen Facetten präsentierte. Das „Festival der modernen Chöre“ machte deutlich, wie viel musikalische Qualität, Abwechslung und Gemeinschaftssinn in der regionalen Chorszene stecken. Veranstalter war der Chorverband Rems-Fils e.V., ausgerichtet wurde der Abend vom Gesangverein Ruppertshofen e.V.
